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28/3–10/5/2025

RAMPE
Die Ästhetik eines diffamierten Gegenstandes

Sigrid Friedmann, Peter Kaschnig,
Ulrich Kaufmann, Jörg Ulrich Krah,
Nikolaus Meixner, Philipp Muerling,
Georg Riesenhuber, Reinhard Taurer,
Student*innen der Fachhochschule Kärnten

Kuratiert von Cornelia Scheuer

Eröffnung 27/3/2025 - 19 Uhr
Begrüßung Igor Pucker, Präsident
Zur Ausstellung David Stockenreitner, Kabarettist
Eröffnung der Ausstellung LH Dr. Peter Kaiser
Eröffnungsperformance
Elisabeth Löffler und Cornelia Scheuer (LizArt Production) & Jörg Ulrich Krah (Violoncello)

 

Rampen. Historisch gesehen, hat es sie immer gegeben, um Güter mit Wagen und Zugtieren, zumeist Pferde, zu transportieren.

Rampen. An historischen Gebäuden für die Kutschen der Menschen, die es sich leisten konnten, nicht zu Fuß gehen zu müssen.

Rampen. Als architektonisches und nützliches Element schon an ägyptischen Tempeln ästhetisch ausgeführt, in das Heiligste führend.

Rampen. Von Le Corbusier eingeführt in die modere Architektur, nicht nur als nützliches Bauelement, um Ebenen zu überbrücken, „[...], sondern für die Bewohner. Sie sollen sich über die Rampe auf ein anderes Höhenniveau bewegen. Und zwar langsamer und bewusster als über eine Treppe.“

„Die Rampe ist ein Intensivierungsinstrument von Wahrnehmung, die aus der Architektur eine Erregungsmaschine machen soll.“ sagt Elisabeth Blum, Architekturhistorikerin, über die Intention von Rampen in Le Corbusier´s Entwürfen.

Rampen. In der ÖNORM. Im barrierefreien Bauen vorgeschrieben, nicht mehr als 6% Steigung erlaubt.
Wie banal. Wie fantasielos. Wie traurig.
Genauso werden Rampen in der heutigen Zeit behandelt. Finden sich doch in der Architektur jede Menge Beispiele, wie ästhetisch Rampen als bauliches Element eingesetzt werden können, doch sobald es um Barrierefreiheit geht, jede Fantasie erloschen, ja sogar ausgemerzt ist. Dementsprechend werden sie lieb- und lustlos in Ecken, zu Hintereingängen und durch Hinterhöfe geführt. Versteckt und man möchte meinen, schambesetzt. Jede Ästhetik, wenn sie zum Zwecke der Barrierefreiheit geplant werden, wird ihnen aus Prinzip abgesprochen, und sie werden auf ihre Notwendigkeit reduziert.

Nun wird die Aufmerksamkeit auf dieses bauliche Element gelenkt, das nicht nur wegen der Nutzbarkeit und Nützlichkeit, sondern auch wegen der Ästhetik einen Blick – oder zwei, wert ist.

Gerade im österreichischen Raum ist die Rampe diffamiert. Als eines der wichtigsten Bauelemente um Umwelt zu erschließen und für Alle zugänglich zu machen, ist es immer ein Kampf diese einzufordern. Anders als technische Hilfsmittel wie Rolltreppen oder Aufzüge, können Rampen ohne Strom, und wetterunabhängig genutzt werden, sie sind also auch ökologisch wertvoll. Sie schließen niemanden aus, ob Kinder oder alte Menschen, sogar für die, die sie nicht unbedingt brauchen sind sie nutzbar! Man könnte meinen, dass sich Rampen ins kollektive Gedächtnis geprägt haben. Denn intuitiv weiß man, da wo eine Rampe ist, ist auch ein Eingang!

Die Ausstellung möchte dieses bauliche Element, trotz oder gerade wegen seiner Funktionalität, aus dem Schatten seiner, in der österreichischen Architektur zugedachten, Existenz an Hintereingängen herausholen. Dieses Projekt soll Aufmerksamkeit auf die ästhetische so wie motorische und sinnliche Wirkung von Rampen lenken und diese er-fahr-bar machen.

Die Inspiration zu diesem Projekt kam im Künstlerhaus Klagenfurt selbst.

Die Rampe des Künstlerhauses Klagenfurt führt ebenso zum Hintereingang, versteckt.

Aus baulichen Gründen natürlich …

Doch die Rückseite des Gebäudes ist dem Park zugewandt. Man kommt ins Grüne!

Für die Dauer der Ausstellung erklären wir den Hintereingang zum Haupteingang! Alle Räume der Ausstellung sind für alle zugänglich, und die, die es aus baulichen Gründen nicht wären, werden versperrt.

„Kontinuität ist vielleicht sowieso der Schlüsselbegriff, um das Faszinierende zu beschreiben. Weil, solange ich auf der Rampe bin, bin ich noch nicht angekommen. Vielleicht liegt auch darin das Landschaftliche, weil darin so eine Unendlichkeit liegt. Und das ist ja ein Thema, das die Moderne sowieso in hohem Maße interessiert hat: Man ist immer in Bewegung.“ (Grischa Leifheit, Architekt)

So begeben sich die Künstler*innen Reinhard Taurer, Ulrich Kaufmann, Sigrid Friedmann, Nikolaus Meixner, Peter Kaschnig und Philipp Muerling auf die Suche, nach den verschiedenen Aspekten des diffamierten Gegenstandes. Untersucht werden Ästhetik, Dynamik, die optische und sinnliche Wahrnehmung von schiefen Ebenen und die bildnerische Umsetzung sowie deren Spaßfaktor.

Die Auseinandersetzung mit diesem Gegenstand hat uns zu einem Diskurs über Architektur mit Georg Riesenhuber, Architekt, in Form von handschriftlichen Briefen geführt.

Architektur ist eine Kunstform, die ihre Funktionalität als Ausgangspunkt hat, die Lebensräume schafft, Gesellschaft und Lebensrealitäten beeinflusst.

So divers wie die Gesellschaft ist, so viele Ansprüche muss Architektur erfüllen und diese in einen baulichen und ästhetischen Kontext zusammenbringen. Ein wichtiger Aspekt darin ist auch die Zeit. In welchem Jahrhundert leben wir? Was war zu einer anderen Zeit wohlbedacht und der damaligen Ästhetik gemäß gestaltet worden, das aber im 2. Jahrtausend nicht mehr die Anforderungen der jetzigen Gesellschaft erfüllt? Und es führt noch weiter, was bedeutet es für die Kunst, wenn der Zugang zu Gebäuden durch mangelnde Barrierefreiheit interessierte Besucher*innen und Kunstschaffende ausschließt?

Mit dieser Ausstellung soll die Aufmerksamkeit auf die ästhetische und soziale Bedeutung von Rampen gelenkt werden – nicht als notwendiges Übel, sondern als Teil eines inklusiven, bewussten Gestaltens für eine moderne Gesellschaft.

Cornelia Scheuer

 



Kleine Galerie

Die Neuen – Part 1
Kuratiert von den Künstler*innen

Armin Bardel
Cornelia Caufmann
Herbert De Colle
Katya Frei
Ilse Menschick-Hartlieb
Rupert Huber

Im Jahr 2024 wurden 13 neue Mitglieder in den Kunstverein Kärnten aufgenommen. Aus diesem Anlass präsentieren sich die Neuen in gleich zwei Ausstellungen. 

Da Rampe einige architektonische Besonderheiten aufweist, wird die Präsentation der Neuen in dieser Ausstellung von der Kleinen Galerie erstmals in den vorderen rechten Seitensaal verlagert.

 

 

Fotos: Johannes Puch



Fotos: Johannes Puch